Kleine Kostümkunde zur Ausstattung der Biberacher Rokoko-Gruppe

Die Kostüme der Biberacher Rokokogruppe spiegeln die Kleidung des etwas ländlichen Adels und gehobenen Bürgertums um Biberach Mitte des 18. Jahrhunderts. Viele der gezeigten Damen- und Herrenbekleidungen sind vom Trachtenkenner Jürgen Hohl aus Eggmannsried nach Gemälden entworfen worden. Später gefertigte Kostüme wurden anhand von Bildern, Gemälden und Beschreibungen der Zeit nachempfunden. Die zur Rokokozeit verwendeten Stoffe und Ausschmückungen waren einer Kleiderordnung unterworfen, die den Stand und die Religion der Trägerin oder des Trägers erkennen ließen. Bauern und einfache Handwerker sowie Bedienstete trugen hauptsächlich Kleidung aus Wolle, Baumwolle und Leinen, deren Schnitte einfach und der ausgeübten Tätigkeit angemessen waren. Höfische Kleidung war aufwändig geschmückt, die verwendeten Stoffe wie Seide, Seidentaft und feine Baumwolle waren teuer, die Kleider der Damen umfassten viele Meter Stoff. Damen- und Herrenbekleidung war aufwändig verziert mit Stickereien, Borten und Bändern. Am auffälligsten an der Mode des Rokoko war der Reifrock, der zur damaligen Zeit eine ovale Form hatte und aus Holz, Draht, Fischbein und Stoff hergestellt wurde. Unter einfacher Damenkleidung wurden Unterröcke getragen, auch in mehreren Lagen, der Reifrock gehörte zur höfischen Kleidung. Da Kleidung sehr teuer war, wurde sie lange getragen, der Mode angepasst und auch weiterverkauft oder an Bedienstete weiterverschenkt. In der Region um Biberach wurden sicher keine Kleider wie am Hof in Frankreich getragen, die Ausführungen waren etwas einfacher und eine Madame Pompadour wäre in der ländlichen Gegend noch aufsehenerregender gewesen, als sie dies eh schon war. Die katholischen Damen hatten das Vorrecht, bunte, aufwändig verzierte Kleider zu tragen, die auch gerne einen weiteren Ausschnitt haben durften. Verzierungen wie Bänder, Blüten (Rosen), Kordeln und Spitzen waren üblich. Die evangelischen Damen trugen in den Farben zurückhaltende Kleider in blau, grau oder dunklem grün, häufig hochgeschlossen oder mit einem Fichu, einem bestickten weißen Brusttuch aus feiner Baumwolle oder Leinen. Die Herrenbekleidung bestand aus Kniehosen, Seidenstrümpfen, einem Hemd mit Jabot, einer Weste und einem Mantel. Auch die Herrenbekleidung war zum Teil reich bestickt, mit Borten und Kordeln geschmückt oder auch mit wertvollen Knöpfen. Die Herren trugen Perücken, was ein Vorrecht des Adels war. Sie waren hauptsächlich weiß gepudert mit Kartoffel- oder Reismehl. Die Haare der Damen waren mit Haarteilen und eingeflochtenem Schmuck zu Kunstwerken getürmt, die gepudert wurden in weiß aber auch in anderen Farben. Sowohl die Damen als auch die Herren waren geschminkt, abgerundet durch Schönheitspunkte („Mouche“, s.u.), die je nach Platzierung im Gesicht, eine eigene Sprache hatten.   Die Kinderkleidung entsprach genau der Kleidung für Erwachsene, erst Ende des 18. Jahrhunderts gab es hier leichte Änderungen in Richtung Bequemlichkeit.